Selbstverständlich

Wenn wir wüssten,
wir haben den
freien Willen,
entschieden wir uns
für den Himmel.

Die Vögel nehmen
ihn selbstverständlich.

Irgendwann kommen die Steine…

… und so geht das dann immer weiter. Heute kommt der Bagger, er steht schon hinten auf der Wiese bereit. Die alte Terrasse kommt endlich auf den Sperr- und Sondermüll und dann kommen, wenn das Bett dafür gerichtet ist, irgendwann die neuen Steinplatten für den neuen Terrassenboden. Ich möchte gewachsenen Sandstein aus der Gegend hier. Also nichts von irgend woher Gekauftes. Dazu muss ich demnächst mal in einen Steinbruch fahren hier in der Nähe am Lauf der Weser. Ich fürchte die sagen auch wieder gleich 1000 Euro. So ist das eben. Ich bin heute deswegen vorwiegend im Garten. Ich fahre den Bagger nicht selber. Aber ich werde den Baggerführer anbetteln ob er mich mal schürfen lässt. Neulich bin ich sogar Trecker gefahren. Das war im letzten Sommer. Mit der uns besuchenden Tochter ging ich über die Felder. Dort trafen wir auf den Jungbauer vom Pferdehof. Er arbeitete auf der Weide und sie sofort, jetzt will ich Traktor fahren. Der Bauer meinte nur, der Schlüssel steckt und das macht dein Vater. Nach kurzer Weigerung meinerseits saß sie hinter mir auf dem Zusatzsitz und wir tuckertern auf den Feldwegen ums Dorf, mein Gänseliesel und ich….

Auch ein Nachmittag

Nach dem Job habe ich die Tasche ins Hotel gebracht und bin dann zur
S-Bahn um von meinem Randgebiet in das Zentrum zu fahren von Stuttgart.
Die dreißigminütige Fahrzeit ist viel zu kurz für die Lektüre in den
Erzählungen aus den TausendundeinNächten. Im Bahnhof gehe ich zum
Südausgang und lasse diepolitische Ruine Bahnhof in Richtung Schlosspark
hinter mir. Die Sonnewärmt die Einzelnen und die Pärchen auf den Wiesen
mit dem noch dürftigen Gras des Frühlinganfanges. Vorm Schauspielhaus
Stühle, Tische mit Kaffetassen. Bevölkert ist die Treppe zur Oper. Unter
der Ankündigung von Mozarts Giovanni (Premiere im Mai) lümmeln Gruppen
von jungen Leuten und nehmen die Jogger nur nebenbei wahr, die ihre
Runden durch den Park ziehen. Neben der Oper gehe ich durch einen Tunnel
für Fußgänger auf die Staatsgalerie zu. Die Ausstellung der drei Maler
istwie die Werkschau eines Künstlers. Turner schmeißt das grelle Gelb
alsLicht auf die sanften Farben der Seerosen im Teich von Monet. Dessen
japanische Brücke verwischt die Buntheit des Gartens und entscheidet
sich für ein knalliges Rot auf heißem Gelb der großen Rosen von Twombly.
Dort dieser tiefe Grund auf dem sein Hingeworfenes zerläuft: Papier
maskiert wie der daunige Flausch eines Gefieders, das dieses Licht saugt
und gibt. Groß ist sie nicht die Ausstellung, aber intensiv. Dann die
Rückfahrt ins Hotel.

Fetisch

Kleine Puppe, glücksbringende Marionette, die bewegt sich an meinem Fenster, dem Winde ausgeliefert. Der Regen hält ihr Kleid, ihr Gesicht und ihre verbleichenden Hände durchnässt. Sogar ein Bein hat sie verloren. Der Ring ist ihr am Körper geblieben und mit ihm ihre Macht. Im Winter schlägt sie mit ihren kleinen, blaubeschuhten Fuß gegen das Fenster und tanzt, tanzt vor Freude, vor Kälte, um sich ihr Herz aufzuwärmen, ihr hölzernes Glücksbringerherz. In der Nacht hebt sie ihre flehenden Arme den Sternen entgegen.

Der Vater zerfallen. Nur die Mutter hat eine andere Bedeutung und darüber muss geschwiegen werden, anders.

Tieferes Schwarz in schwarzen
Fluten schlafend geborgen
freundliche Einsamkeit. Sehr

Die Kraniche ziehen aus der Kälte.
Nass in den Fingern, stehe ich im
November vergittert. Unterbrochen.

Der geteilte Mantel gilt als Symbol der christlichen Barmherzigkeit. Ein römischer Soldat mit dem Namen Martin (der Name selber leitet sich von Mars, dem römischen Kriegsgott ab), zerteilte seinen Mantel und gab einen Teil den Armen. Das Besondere an diesem Vorgang ist nicht der geteilte Mantel, sondern dieser Martin half sofort und ohne Umschweife oder Bedingungen.

Neulich, ich fuhr mit dem Auto vorbei, am Straßenrand zwei oder drei Krähen, die sich über einen toten Fuchs hermachten. Die Bauchdecke des Tieres war schon offen. Die Vögel zottelten mit ihren Schnäbeln die Innereien heraus. Als das Auto sich näherte wollten sie nicht ablassen, flogen dann aber dann doch aus Angst weg. Zwei von ihnen hatten während des Fluges noch ein Stück des Darms im Schnabel. Der Fuchs hing wie am Band, welches immer länger wurde und blieb freilich liegen. Ob das Tier noch am Leben war,konnte ich im Vorbeifahren nicht feststellen. Möglich ist es. Tiere töten nicht in jedem Fall. Der Falke stürzt sich im Flug von oben auf die sich auch im Flug bewegenden Tauben. Er dreht das Opfer mit seinen Krallen mit dem Bauch nach oben und hackt sich das zarte Brustfleisch zum Verzehr aus diesem armen Tier. Danach lässt er ab und die Taube stürzt zu Boden und versucht dort noch zu entkommen.
Auf einem Stoppelfeld rannte vor ein paar Wochen ein kleiner Hase wie wild im Kreis und kam nicht vorwärts. Unweit des Schauspiels hielten sich ebenfalls Krähen auf. Eine von ihnen stürzte sich auf ein anderen Hasen, krallte sich kurz ihn ihm fest, kreischte und ließ wieder von ihm ab. Danach rannte auch dieser kleine Hase sinnlos im Kreis. Die Krähen hacken diesen Feldhasen die Augen aus und bewahren so ihre Nahrung auf. Die Hasen können nicht mehr weg, später werden sie dann verzehrt.

Am Dorfeingang, neben der Luthereiche, auf dem Sportplatz wieder ein paar Runden gedreht. Das Laufen bereitet dem Körper schmerzhafte Schwierigkeiten. Entschädigt werde ich von der frischen Luft. Es ist triefend nass überall, ohne dass es regnet. Weiter als fünfzig Meter kann man nicht sehen. Entsprechend tasten sich die Autos durch das Dorf. Man ist allein in diesem Nebel, alle Details werden nur für mich sichtbar, denkt man und so täuscht man sich.

Gestern vor einem Monat, am 07. Oktober ist um 13:46 Uhr meine Mutter im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara zu Halle meine Mutter gestorben. (Es stimmt nicht, dass Alleinsein stark macht, man muss die Hand eines Anderen halten können. (Ingmar Bergmann))